Es kam ein schöner, sanfter Frühling in diesem Jahr, und in Wyhl ging es weiter mit dem Aufstand. Dann wurde es Sommer, ein warmer, sonniger Sommer, und der Aufstand ließ nicht nach. Moßmann war stark eingespannt. Er dachte nicht an Rudi oder an ihr letztes so wenig erfreuliches Treffen.

Eines Tages klingelte bei Moßmann das Telefon. Er nahm ab. »Hier ist Rudi«, sagte eine heisere Stimme.

»Wer?« fragte Moßmann.

»Rudi Dutschke, ich bin am Bahnhof, und ich wollte jetzt mal was erfahren von eurer Bewegung hier, und ich habe Zeit. Kann ich bei euch wohnen?«

Moßmann stockte einen Augenblick der Atem, dann sagte er: »Ja, ja, das ist gut. Komm nur. Ich hole dich ab.«

—Gretchen Dutschke, Wir hatten ein barbarisches, schönes Leben, (Köln: Verlag Kiepenheuer & Witsch1996), 385.

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