Nach der Pandemie

Die Zeit:

Nach der Pandemie wird es für viele hart bleiben
Aller Hilfe zum Trotz waren die vergangenen Wochen schwer für das LCAC. Zwar ist es Patterson und ihren Mitarbeitern immer gelungen, genügend Lebensmittel zu verteilen, doch auch sie musste zeitweise den Mangel verwalten.

Articles continually mention there is no guarantee of an effective covid vaccine being available this year. At the same time I read phrases like “after the pandemic”. Protests in the US and Germany show an increasing number of citizens who feel the state has restricted them “long enough”, as if there were some unwritten number of weeks it is reasonable to endure, after which protest is to be expected.

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Imperiale Überforderung

Donald Trump ist das Ergebnis dieser imperialen Überforderung, das Ergebnis unsinniger und irrwitzig teurer Kriege, die nicht nur mit den Opfern auf den Schlacht­feldern und mit den Dollars aus dem amerikanischen Staatshaushalt bezahlt werden mussten, sondern auch mit dem Niedergang der amerikanischen Mittel­schicht. Hinzu kam noch die Finanzkrise von 2008.

Diese unipolare Ordnung mit der alleinigen Supermacht USA sollte sich historisch als eine äußerst kurzfristige Illusion erweisen, die in den Sümpfen und Wüsten des Zweistromlandes ihr schnelles Ende fand.

—Joschka Fischer, Wilkommen im 21. Jahrhundert, (Köln: Verlag Kiepenheuer & Witsch, 2020), 51‑52.

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Propagandaschlacht

Jan-Werner Müller, FAZ:

Entschieden werde die Corona-Propaganda­schlacht, so eine landläufige Annahme, wohl im Internet, insbesondere in den sozialen Medien.

Farce und Tragödie der amerikanischen Öffentlichkeit bestehen heute darin, dass bis zu einem Drittel des Publikums offenbar gar nicht klar ist, dass sie keine „Nachrichten“ sehen, sondern das, was Benkler und Kollegen zu Recht einen „Propaganda-Feedback-Loop“ nennen.

In reading Brinkbäumer’s and Müller’s conjectures regarding the outcome of the propaganda struggle being waged in the US now it occurred to me that a real battle is by virtue of the fact this discussion is taking place assumed to be over, that is, the struggle to create a space in which easily-verifiable reality can be successfully contested. It’s not a new thought, but it occurred to me again. I don’t picture the US coming back from this. It’s a struggle to get my mind around the depth of the insanity playing out, easily visible, available in multiple languages, chronicled by observers around the globe.

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Die Wahrheit

Klaus Brinkbäumer, Die Zeit:

In den USA hat ein politisches Experiment begonnen: Lässt sich eine falsche Geschichte bereits in jenem Moment erzählen, in dem eine triste und darum leider ganz und gar andere und vor allem wahre Geschichte erst noch geschieht und fortgeschrieben wird? Wird am Ende diese Erfindung, also das Gegenteil der Wahrheit, sogar geglaubt werden – obwohl die Wirklichkeit Tag für Tag zu besichtigen ist und von der Nation erlitten wird?

Die Wahrheit ist: Die Vereinigten Staaten scheitern bislang an der Corona-Epidemie. 2.700 Amerikaner starben vergangenen Donnerstag und 3.000, ungefähr so viele wie am 11. September 2001, werden es pro Tag laut allen seriösen Berechnungen in den Juni-Wochen sein. Alle Schreckenszahlen steigen noch immer, die Todesfälle, die Infektionen, sowieso die Arbeitslosigkeit. Und noch immer wirkt das Land erstarrt, denn es hat Infrastruktur, medizinische Grund­versorgung und solidarisches Denken bereits vor Jahren abgeschafft, und auch im fünften Krisenmonat hat es viel zu wenig Daten und keine Strategie, es gibt ja noch immer zu wenig Tests und viel zu wenig Wissen über die Pandemie.

“Wir erleben eine Radikalisierung und Entfesselung des Propaganda-Regimes der Trump-Administration”, schreibt per E-Mail der deutsche Politikwissenschaftler und Philosoph Michael Werz, Senior Fellow am Center for American Progress. “Ob sich diese Strategien der Massenmanipulation durch­setzen oder nicht, entscheidet über die Zukunft der USA und der Welt. Durchsetzen können sich die Narrative nur unter Absehung von der Realität – es kommt für Trump darauf an, genug Amerikaner/innen zu mobilisieren, die diese Wirklichkeitsflucht mitmachen.”

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Madonna und Diktator

Spiegel:

“Warum sollten wir uns seiner schämen?” Josef Stalin als Transparent im Hintergrund, auf dem Mosaik zur Siegesfeier 1945.

Aber leider verstehe sich die russische Kirche längst als Kirche des wieder­auferstandenen russischen Imperiums – und in dieser Logik seien Stalin und Putin so unverzichtbar wie Nikolaus II., der letzte Zar: “Sie stehen für die Kontinuität des Imperiums.”Armee und Kirche argumentierten, es sei durchaus üblich, Kirchen zur Erinnerung an Siege zu errichten – etwa an den Sieg über Napoleon. “Aber früher richtete sich das Gedenken auf die Gefallenen. Jetzt richtet es sich auf den militärischen Triumph selbst. Es wäre ehrlicher, diese Kirche dem Kriegsgott Mars zu weihen”, sagt Tschapnin.

Vater Andrej Kurajew, Verfasser eines viel benutzten Religionsschulbuches und mittlerweile ein scharfer Kritiker der Kirchenspitze, nennt den neuen Kirchenbau “ein Symbol unserer Epoche und Zeugnis einer neuen Religion.” Er meint damit: Russlands neue staatliche Ideologie, eine “Zivilreligion”, in der Putin als Erbe des Sieges im Großen Vaterländischen Krieg eingesetzt wird.

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Neues Forum

In diesen Gesprächen ist die alte DDR schon gar nicht mehr da. Stattdessen ist ein anderes Land entstanden, eine Demokratie mit verschiedenen Parteien, aber ohne Privatbesitz, weil ja diesmal wirklich alles dem Volk gehören soll. Vom dritten Weg ist die Rede, einem Kompromiss zwischen Kapitalismus und Sozialismus. Alles scheint möglich zu sein in diesen Tagen, wenn man nur das Volk machen lässt.

—Maxim Leo, Haltet Euer Herz Bereit, (München: Wilhelm Heyne Verlag, 2011), 250‑251.

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American screaming

Scott Owens, Counterpunch:

I know that to just scream AAAARRRRRGGGGHHHHH, to go ahead and scream it out-loud from a place way deep inside, that I believe is a perfect response to this time.

c|net:

No.

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Full circle

Guardian:

“It’s painful to understand how badly we’ve messed up the process of developing rapid tests in large numbers,” said Redlener. “We aren’t even close, less than 2% of the popula­tion has been tested, we don’t even know the prevalence of the virus.

“There’s been nothing like the misinforma­tion and incompetence we’ve seen around Covid-19 in American history. Colleagues of mine overseas are in disbelief. I never thought I would long for the days of Richard Nixon, but here we are. It’s frightening,” he added.

Fifty years ago there was a vibrant counter­culture in the US, internationally made visible by the mass shutting down of campuses in the spring of 1970 after the invasion of Cambodia and Kent State, by the tens of thousands who shut down Washington, DC May of 1971, the 12,000 arrested. Today what I hear from Americans is helpless resignation and a disavowal of responsibility. What can we do? There’s nothing we can do: it’s all His fault.

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Die nichtjüdische Opfer

Stefan Reinecke, taz:

In der bundesdeutschen Erinnerungskultur existiert eine Leerstelle, die ein Polen-Denkmal nicht füllt – die rassistische deutsche Besatzung in Osteuropa und deren nichtjüdische Opfer. Peter Jahn, früher Leiter des Museums Karlshorst, wirbt seit Jahren dafür, an die Opfer der Lebensraumpolitik der Nazis zu erinnern.

Neumärker und der Historiker Wolfgang Benz haben diese Idee nun leicht verändert in die Debatte eingespeist: Das Dokumenta­tions­zentrum soll die deutsche Besatzung in ganz Europa zeigen, von Athen bis zum Nordkap. „Nur über den Vergleich kann man den besonderen Charakter des Vernichtungs­kriegs gegen Polen und die Sowjetunion deutlich machen“, so Neumärker.

It’s odd to be reading this: this is the sort of thing I was continually thinking about prior to the pandemic, and it seems something of a recall to a former world.

This issue, the destruction of non-Jewish Poles and other eastern Europeans, is an ever-present tension at camps. The deaths of tens of thousands of Soviet prisoners seems to be mentioned almost as an afterthought at some locations.

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Polen

Stefan Reinecke, taz:

Das international viel gelobte Danziger Museum des Zweiten Weltkrieges, das den Überfall auf Polen in eine europäische Perspektive rückte, passte der regierenden PiS nicht: Der Direktor musste 2017 gehen. Kürzlich verlor der Chef des ­exzellenten Jüdischen Museums in Warschau seinen Job. „Diese drei Ereignisse liegen auf einer Linie. In Polen soll das Bewusstsein herrschen: Polen war das Opfer des Krieges, nicht ein Opfer unter vielen“, so Borodziej.

In Polen säubert die PiS, was dieses Selbstbild beeinträchtigt. In Russland inszeniert das Regime einen von Störendem wie dem Hitler-Stalin-Pakt gereinigten Kult um den Sieg im Großen Vaterländischen Krieg. Historiker beobachten ähnliche Muster auch in Ungarn und Rumänien, Litauen und der Ukraine. Geschichtspolitik wird zur Echokammer autoritärer Regierungen. Damit wächst auch die Opferkonkurrenz. Die Zeiten, als man in Osteuropa den Zweiten Weltkrieg eher als Verbindendes, als gemeinsamen Sieg über den Hitler-Terror sah, scheinen vorbei zu sein.

In November 2018 the Danzig museum impressed me greatly and remains part of my impression of Poland, alongside Stutthof, Treblinka and the other camps. This May 8 75th anniversary marks the end of an era, however, it’s an era which has already passed.

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